WM MONZA 2011

Hallo Rennfreunde,

Hier mein kleiner Bericht zur WM.

Meine Motivation war schlicht jene, mal auf dieser berühmten Strecke mit dem Rad zu fahren. Das war schon genial. Und immer wieder beeindruckend, wie eng so manche Schikanen sind oder auch die berühmte Parabolica. Dass man da tatsächlich mit einem Formel 1 das Gas stehen lassen kann, unglaublich...

Jedenfalls wurde diese Erwartung schon mal befriedigt. Der Campingplatz direkt an der Strecke war ebenfalls recht schön, wie überhaupt die ganze Location. Die Rennstrecke liegt mitten in einem sehr grossen Landschaftspark, ähnlich dem Englischen Garten in München. Ist schon irgendwie interessant, da mitten rein eine fast 6km lange Rennstrecke zu bauen.

Zum Sportlichen: Erwartet habe ich mir eigentlich wenig, denn ich hatte nicht gut trainiert und war völlig überarbeitet angereist. Dabeisein war das Motto und nachdem sich grosse Namen wie Thomas Schott oder Hans Wessels in der TV Klasse angekündigt hatten, waren meine Ambitionen auf vordere Plätze eigentlich schon erledigt...nur überrunden lassen wollte ich mich nicht.

Hier meine Rennen aus Sicht der Teilverkleideten Klasse:

Tag 1


Schnellste Bahnrunde

Wegen der regnerischen Vorhersage wurde dieses Rennen vorverlegt. Da kann man jetzt schon drüber meckern, andererseits könnte man auch sagen, zu einer WM sollte man nicht unbedingt in der letzten Minute anreisen, zumal bei einer HPV Veranstaltung, die immer für Überraschungen gut ist. Letztendlich war diese Entscheidung nicht schlecht, denn zur geplanten Startzeit hat es dann tatsächlich geregnet, was auch nicht gerade für faire Bedingungen gesorgt hätte. Gleich in der ersten Schikane (max. mit 40 zu fahren) wurde ich von der vor mir gestarteten Ellen van Vugt, die wohl Probleme in der Varna hatte, von der Ideallinie gescheucht und musste von unter 35km/h wieder hochbeschleunigen. Umso grösser war dann am Ende meine Überraschung, als mir Leute plötzlich zum Sieg gratulierten. Hatte ich doch glatt das 1. Rennen in der TV gewonnen.

 

1000m stehender Start

Recht spät am Abend, schon deutlich in der Dämmerung, gab´s die 1000m. Jetzt war ich natürlich schon etwas motivierter. Einmal die Start-Ziel Gerade langgepresst und das gibt´s doch nicht, schon wieder gewonnen. Das war natürlich ein absolut überraschender erster Tag für mich und meine ürsprünglich ganz lockere Haltung wurde langsam nicht mehr so entspannt. Ich war mir aber sicher, dass Thomas, Hans und die anderen Schweizer in ihren Birks (insg. waren immerhin 8 Räder aus dem Hause Birkenstock am Start) bei den längeren Strecken gnadenlos zuschlagen würden...


Tag 2

 

200m Sprint

Ausgetragen auf einer Geraden im Innenfeld des alten Rennovals auf doch recht rumpeligen Belag und vor allem faktisch unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Nicht gut für die Streamliner, für Hecks gerade ausreichend zum Beschleunigen. Immerhin 65km/h Schnitt und nur um 0,2km/h vom Schweizer Viktor Leitsoni geschlagen wurde ich hier 2ter. Viktor hatte mir schon in Tilburg den Titel vor der Nase weggeschnappt, aber das konnte mich wenig ärgern nach den 2 Siegen am Vortag...

 

3 Stunden Kriterium

Auch aus meiner Sicht das Highlight des Wochenendes. So ein Massenstart mit Windschattenfahren in der Gruppe hat schon was. Für Fahrer wie Zuschauer. Meine Taktik war recht einfach: So lange es geht mit vollem Risiko von Anfang an an der Spitzengruppe dranbleiben. Für die erste Stunde war diese Spitze fast ausschliesslich Hans Wessels, gefolgt von einem Rattenschwanz von 15-20 Fahrern. Unglaublich, was dieser dürre, lange Kerl aus Holland vorne im Wind leisten kann. Die erste Stunde wurde in einem für mich horrendem Tempo mit fast 50er Schnitt gefahren. Das konnte doch nicht noch 2 Stunden so weiter gehen... Das dachte sich dann auch Hans, der sich nach eigener Aussage sehr gewundert hat, daß doch einige so lange an ihm dranbleiben konnten, und er liess sich zurückfallen. Sofort wurde das Tempo etwas langsamer und fortan wechselte auch regelmässig die Führung. Langsam zerbröselte die Gruppe aus TV und den besten UV, bis nur noch etwa 5 Leute übrig waren. Immer wieder gab es Ausreissversuche, war also nix mit ruhigem Fahren. Hans hatte zwischenzeitlich einen Angriff im Windschatten eines VV von hinten gestartet, den alle übersehen hatten und weg war er. Somit war der 1. Platz vergeben. Letztendlich stritt ich mich dann mit Sandro Bollina (ehemals VV Fahrer, jetzt auf Jürg Birkenstocks Comet unterwegs) um den 2. Platz. Ich hatte mir für die letzte Runde eine gute Taktik zurechtgelegt und 2km vor dem Ziel konnte ich davonsprinten und kam nach 3h1min30s über die Ziellinie, erleichtert die karierte Flagge erwartend. Aber was war das, es wurde zur letzten Runde gebimmelt und somit hatte ich das Spiel verloren. Völlig vom Sprint ausgepowert verlor ich den 2. Platz wieder an Sandro und wurde 3. Naja, das sind halt die kleinen Unwägbarkeiten bei den HPVlern. Nach erstem Ärger konnte ich das auch so hinnehmen. Letztendlich kann sowas allerdings auch über den Titel entscheiden. Zumindest wurde ich auch hier nicht überrundet, nichtmal von Thomas (hatte aufgegeben) oder Hans Wessels. Mein Grinsen wurde wieder etwas breiter... Letztendlich waren es glaube ich über 46km/h Schnitt über 3 Stunden. Das schnellste Rennen, das ich je gefahren bin. Und auch das Härteste, ich war am Ende und voller Sorge, ob ich an Tag 3 noch eine Stunde fahren könnte.

Tag 3

 

50m DragRace

 Man kann drüber streiten, ob das bei einer WM sein muß. Letztendlich waren fast alle am Start zum Punktesammeln und eigentlich war es recht spassig. 5. Gesamtplatz nach dem ersten Versuch, daher habe ich mir den 2. gleich erspart. Letztendlich wurde ich hier gesamt 10. und wieder 2. bei den TV. Rausgekickt wurde ich in der Endrunde der besten 16 übrigens von einem selbstgebauten Holzrad mit 16kg. Lowtech schlägt Hightech, wieder mal eine spassige Erfahrung.

 

1 Stunde Zeitfahren

Ja, das würde ich jetzt wohl auch noch schaffen, nur wie. Aus der Erfahrung heraus kann man sich da aber beruhigen, denn natürlich sind auch alle anderen Fahrer ebenfalls schon recht alle. Jedenfalls wurde mir langsam klar, daß ich mir hier mit einem Resultat unter den 1. fünf meiner Klasse den TV Titel sichern konnte. Also doch nochmal alles geben. Was dann dabei rauskam, fühlte sich recht erbärmlich an und sah auf der leicht ansteigenden Start-Ziel warsch. auch so aus. Ein 45 er Schnitt reichte dann noch für den 4. Platz. Thomas hat wieder aufgegeben, Hans fuhr 48. Hmm, ob´s gereicht hat ? Im Ziel kamen mir dann schon die ersten ausgestreckten Hände zum Gratulieren entgegen, etwas später bestätigte die Rangliste dann tatsächlich das völlig Unerwartete: Ich bin Weltmeister der TV Klasse vor Geoffrey Lelievre (Zockra) und Sandro Bollina (Birk Comet). Ups, da war ich wohl selbst am meisten überrascht. In der Gesamtabrechnung aller Klassen wurde ich bester nicht VV.

Somit gingen 3 tolle Tage mit spannenden Rennen und vielen netten Freunden und neuen Gesichtern zu Ende. Lediglich die Siegerehrung passte schlicht nicht in den Rahmen, den eine WM verdient hatte. Der Präsident der Strecke in Monza hatte sich dazu sogar die Ehre gegeben. Leider fand man sich dann doch nicht wie vorab angekündigt auf dem original F1 Podest wieder, sondern einfach vor der Boxenmauer und Zaun in der Boxengasse. Nichtmal ein Podest hatte man organisiert. Als nach 2 Stunden Warterei dann auch noch Leute falsch ausgezeichnet wurden und man ihnen die Medaillen wieder vom Hals gezupft hat, fand ich das schon sehr schade. Das hatte der Event nicht verdient. Ich will mich hier aber nicht beschweren. Die Italiener haben ohne Erfahrung mit viel Einsatz trotzdem alles gegeben und sehr gute Arbeit geleistet. Meinen grossen Dank dafür.

Beeindruckt hat mich die Leistung mancher UV Fahrer die gut mit uns mithalten konnten. Trotzdem mag ich mich nicht so recht dafür begeistern, führt diese Klasse doch zwangsläufig zu sehr flachen Sitzpositionen mit überstrecktem Nacken und eher schlechter Sicht nach vorne. Das ist im Training nicht besonders gut zu gebrauchen... Für Thomas Schott ist es die Zukunft, für mich wäre es ein Grund, aus der Rennszene auszusteigen...aber das ist eine andere Diskussion. Gut Argumente gibt es natürlich auf beiden Seiten. Und dann noch zu einer wichtigen Frage: Was ist mit meinem passend zur Hutze lackiertem Frosch-Helm passiert ? Nein, er wurde nicht verboten, ich hab ihn auch nicht bei einem Sturz zerstört. Dieser tolle Alpina Helm hat schlicht eine schlechte Belüftung und passt nicht ganz so gut an die Kopfhutze (die hatte ich ursprünlich ja gar nicht). Daher bin ich mit dem Lazer Helm gefahren (ja, leider in falschen Farben). Und wer mich bei den 50m gesehen hat: Ich hatte noch einen 3. Standard Rennhelm dabei. Der hat dann wenigstens wieder die richtige Farbgebung...

Schee war´s; Andreas

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