Strava Flyby`s von den Rennen der WM 2015 in Belgien

Flyby vom Stundenrennen

Flyby vom 100km Rennen

Rennbericht von Stefan Dinglreiter

 
Nach 7 Stunden Fahrt sind meine Freundin und ich um etwa 18 Uhr am Campingplatz angekommen und wurden gleich zu "den Deutschen da hinten rechts" gelotst, von denen wir dann gleich herzlich empfangen wurden. Die Zeit bis zum 200m Sprint verging dank viel Fachsimpeleien, Leuten treffen, die Gegend und Geschäfte erkunden (Decathlon ) wie im Fluge. Die lokal erworbenen Latexschläuche mussten noch eingebaut werden und der Rückspiegel zwecks besserer Aerodynamik abmontiert werden.
 
Den Sprint ging ich diesmal recht selbstbewusst an, da schon in Frankreich 2014 klar war, dass das meine Spezialdisziplin ist. Und dieses Jahr habe ich sogar etwas darauf trainiert 
Ergebnis: 65,176km/h und ein hauchdünner Vorsprung von 0,14km/h zum Zweitplatzierten, Matze. Lief gefühlt recht gut, Maximaltempo genau während der 200m erreicht.
Die Auswertung im Nachhinein ergibt jedoch ein katastrophales Bild: Gerade einmal 900W über 30s und 1070W Spitze. Da habe ich im Training schon eindeutig höhere Werte erreicht. Zum Glück hat es gereicht 
 
Am nächsten Tag um 10 Uhr dann das Stundenrennen:
Spiegel zur Sicherheit wieder montiert, die Klingel für die bessere Aerodynamik aber dann doch weggelassen 
Nach einer Einführungsrunde über die tolle Strecke mit teils recht schlechtem Asphalt ging es dann los: Wie gewohnt ziehen Matze und David davon, dann wird man in der ersten Kurve von ein paar langsamen Startern blockiert und die Sache mit dem Windschatten hinter den beiden ist gelaufen. So hat sich dann eine Gruppe gefunden, bestehend aus Stijn, Wil Baselmans, einem grünen Lowracer (Name weiß ich gerade nicht) und mir. Der Lowracer wurde dann abgehängt und wir drei gingen dann auf Matze-Jagd. Das funktionierte aber ganz und gar nicht 
Als uns Matze und David dann in der Hälfte des Rennens überholten, konnte ich an den beiden dranbleiben und die beiden mussten sich zurückfallen lassen. Das ging dann eine halbe Runde gut, bis ich von langsamen Fahrern in einer Kurve ausgebremst wurde. Das Gesprinte führte dann zu immer stärker werdenden Krämpfen ab 1h20min, wobei ich etwas Leistung rausnehmen musste und in einem Tempo fuhr, das ich konstant bis zum Schluss halten wollte. Leider war das nicht genug, weshalb mich Wil 2 Runden vor Schluss noch überholte und mit 20 Sekunden Vorsprung im Ziel eintraf.
Ergebnis: 3. Platz mit 44,2km/h Schnitt und 280W (305W NP) Leistung. Der 2. Platz war in Reichweite, aber die Krämpfe haben mehr verhindert.
 
Um 18 Uhr war dann der 1000m Sprint angesagt. Wie gewohnt war eine halbe Stunde vor der von der Polizei begleiteten Fahrt zum Startpunkt ein Fahrerbriefing mit Erklärungen. Als es dann losgehen sollte, wurde angesagt, dass der Laptop für die Zeitnahme gestohlen wurde. Die Leute beim Aufbauen waren nur 1 oder 2 Minuten von Laptop weg, um etwas anzubringen und schon war er geklaut. Und das bei gesperrter Straße. Da muss jemand im Gebüsch gewartet haben, um 150 Mann den Spaß zu versauen 
Zum Glück konnte dann ein neues Zeitmesssystem bis zum nächsten Tag organisiert werden. Gut gemacht! 
 
Am Sonntag ging es dann gut erholt ans Stundenrennen.
Ein 1,9km langer, recht verwinkelter Kurs und wiederum teils schlechtem Asphalt, weshalb wir wohl 2 Einführungsrunden bekamen.
Am Start war ich dann zu weit hinten und wurde wieder abgedrängt und konnte nicht mit dem Führungsduo mithalten. Diesmal war die Verfolgergruppe etwas größer, zwei Raptobikes haben sich noch mit rangehängt und Michael war diesmal voll dabei. Dieser schied dann leider mit einem Snakebite aus, konnte aber mit 3 Runden Rückstand wieder weiterfahren. Die ganzen Überrundungen forderten ihren Tribut und wegen der vielen Kurven musste ich von Stijn und Wil abreißen lassen. Ich fuhr dann mein Tempo einfach weiter. Das Ende des Rennens wurde dann von einem Sturz überschattet, wobei ein Krankenwagen über die Strecke fahren musste. Dieser wurde von den meisten Teilnehmern ohne Probleme durchgelassen, Richard versuchte sogar, im Windschatten zu bleiben 
Vor einer Engstelle musste ich dann die unfairste Situation des gesamten Rennens erleben. Vor der Engstelle der Strecke musste der Krankenwagen anhalten. Zwei Fahrer (Stijn und ein Raptobike) nahmen dies zum Anlass, diesen über den Grünstreifen zu überholen und dabei sogar beim Anfahren zu behindern 
Irgendwo hört es sich doch auf! 
Während Richard und ich hinter dem Krankenwagen wieder anfuhren, haben sich die beiden Fahrer einen unfairen Vorteil erschummelt. Wäre das eine Disqualifikation wert?
Angespornt davon bin ich dann die letzten beiden Runden mit richtig Wut im Bauch noch am Limit gefahren. Wil war weit weg, aber Stijn kam immer näher. Vor der Zielgeraden kommen zwei enge 90°-Kurven, wobei ich ihn ohne einen langsamen Fahrer, der mich vor der Kurve noch ausbremsen musste, schon überholt hätte. So musste ich mit 30 statt 45 um die Kurve schleichen und setzte dann zum Schlusssprint an. Angefeuert von meiner Freundin ging es Vollgas um die letzte Kurve, dem Ziel entgegen.
Die Jubelrufe von Stijns versammelter Familie wandeln sich in Entsetzen, als sie sehen, dass ich angeschossen komme. Auch er setzt noch zum Schlusssprint an, kann jedoch nicht ganz mithalten und ich ziehe praktisch auf der Ziellinie an ihm vorbei und werde mit gefühlten 20cm Vorsprung Dritter 
Davon werden noch meine Urgroßenkel hören von der Geschichte 
Ergebnis: Wieder 3. Platz mit 43,2km/h Schnitt und 290W (320W NP), die letzten 1000m konnte ich noch über 500W, im Sprint noch 800W über 20 Sekunden aus den Beinen holen.
Die tun dafür heute verdammt weh 
 
Fazit: 
Hätte, hätte, Fahrradkette!
Wäre Wil nicht gewesen und wäre der 1000m Sprint nicht ausgefallen, hätte ich beide Sprints geholt und wäre ich bei den Rennen einen Rang weiter vorne gewesen, hätte ich gleich viele Punkte wie Matze gehabt. Die Chance war also da für den Titel! 
So hat es mit einem Alu-Billigfahrrad (gut optimiert) und weniger als 5 Wochenstunden Training (mit wenig Junkmeilen) und zwei langen Zwangspausen im Mai und Juni zum zweiten Platz unverkleidet gereicht. Gibt Schlimmeres 
Matze hat sich als der klar bessere Fahrer mit top Material verdient den ersten Platz geholt!
 
Nächstes Jahr mache ich es wie jemand anderes und hole mir den Titel mit dem Trike 

Rennbericht von Richard Schaffenroth

Ich (@dooxie) habe mir für die WM nicht viel vorgenommen, Teilnahme zum Spaß und nette Bekannte wieder treffen. Und natürlich zum Essen, das nach etwas Anstrengung besonders gut schmeckt. Ich wusste, dass ich viel weniger gefahren bin als im Jahr zuvor - und dass viele DFs an Vielfahrer ausgeliefert wurden. Also möglicherweise viel Konkurrenz, die dann auch gute Fahrräder haben.
Ich hatte ja im Jahr zuvor schon alles erreicht - so sah ich die Teilnahme dieses Jahr recht locker.
Es ist auch sehr schön, dass viele Bekannte extra mit dem Rad anreisen. zB. Harry (~300km), Jessie, Martin mit dem blauen Exxos und Vorstand vom dooxie-Fanclub (vielen Dank! :)), Hajo und der liegende Robert, mit dem ich leider keine Gelegenheit für einen Plausch gefunden habe.

Wir sind am Donnerstag angereist und abends gegen 23 Uhr angekommen. Dort wurden wir sehr nett von den Belgiern empfangen, sie haben den ganzen Abend am Eingang gewartet und Neuankömmlinge eingewiesen.
Freitag Vormittag Anmeldung. Die Veranstalter haben an alles gedacht, sogar Ritzelbruch und Hungerast. In der Startertasche waren Gels, Energie-Riegel und ein Ersatzritzel (Teilnahme-Medaille) und ein schönes blaues T-Shirt.
Mittagessen war sehr gut und reichlich, da noch nicht viele Leute da waren. Für unsere Verhältnisse nicht ganz günstig, aber schöne Auswahl aus vier verschiedenen schmackhaften Nudelarten.
Am Nachmittag Fahrzeugcheck. Dann abends gemeinsame Anfahrt zum 200 m Sprint über eine für Fahrräder gesperrte Straße mit Polizei-Begleitung. Dass dieses kleine Sträßchen für Fahräder gesperrt ist, halte ich für ziemlich kleinlich, da sie eh auf 70 km/h begrenzt war. Schade auch, dass man dadurch die Strecken nicht vorher abfahren durfte.

Sprint 200 m fliegend:
Der ursprüngliche Anlauf von etwas über 1 km für die 200 m fliegend wäre für Velomobile sehr kurz gewesen, daher haben wir um eine Verlängerung gebeten. Wenn der Anlauf für 200 m nur 1 km ist (wie zB. letztes Jahr in Frankreich), dann ist das für Velomobilfahrer das Gleiche wie 1000 m stehend und man erreicht nicht eine Höchstgeschwindigkeit, die bei längerem Anlauf möglich ist.
Auswertung 200 m fliegend: mit 2-300 W locker angefahren und ab den letzten 500 m mit 700 W Gas gegeben. Höchstgeschwindigkeit am Ende der Messstrecke, hätte vielleicht noch einen Tick früher beschleunigen sollen. Max 808 W, 83.5 km/h max Geschwindigkeit. Offiziell 83.3 km/h, also ganz gut erwischt. Ich bin ziemlich am Anfang gestartet und hatte mich gewundert, lange auf Platz 1 zu stehen. Daniel ist genau vor mir gestartet und hatte seine Höchstgeschwindigkeit leider zu früh vor der Messstrecke. Dann wurde ich leider doch auf den 2. Platz verwiesen, aber Charly habe ich das gegönnt. Besonders da er letztes Jahr Start-Missverständnis gehabt hatte.
Den Abend haben wir in einer Pizzeria verbracht, denen wir erst beibringen mussten, dass ein Bier 1 Liter ist und nicht ein halber. Die haben das stattdessen als großes Bier bezeichnet. Die Pizza war gut und lecker, also ein gelungener Abend.

100 km Rennen:
Am nächsten Morgen gab es das 100 km Rennen. Die Strecke hatte ich eigentlich gut für Velomobile gehalten mit einer langen Geraden, aber mit einigen Kreisverkehren und engen Kurven, die ich nicht so gut fahren konnte wie Daniel oder die Einspurer.
Auswertung 95 km in 2 Stunden, 47.4 km/h. 204 W durchschnittliche Leistung, 230 W NP.
Das Rennen wurde pünktlich um 10:01 gestartet. Bei der Einführungsrunde zuvor habe ich Daniel und Nici vermisst, beide kamen später, weil sie ihre eigenen Fahrzeuge zuletzt vorbereitet hatten und vorher noch andren helfen mussten. Als mich Daniel nach 45 min überholt hat, hab ich mich gefreut, dass er endlich dabei ist. Das schöne an unseren Liegeradrennen ist, dass es um nichts geht und man kameradschaftlich miteinander umgehen kann. Daher habe ich bekannten Fahrern beim Vorbeifahren gewunken, und David hat mir beim Vorbeifahren zur Begrüßung auf die Haube geklopft.
In Öschelbronn hatte ich ein paar Wochen zuvor bei einer Stunde Krämpfe bekommen und bin die 2 Stunden in Maasmechelen daher sehr locker gefahren. Zum Schluss war ich dann noch richtig gut drauf und konnte die letzten Runde wieder anziehen. Am Gleichen Tag sollte ja noch der 1000 m Sprint sein.
Am Nachmittag haben wir einen kleinen Ausflug mit Bacchetta und Hi-Trike gemacht, das schöne Wetter genossen und sind am Kanal auf und ab gefahren.
Die Stamm-Pizzeria hatte uns auch gleich wieder erkannt (die Bayern sind wieder da!).

Der 1000 m Sprint ist leider wegen gestohlenem Laptop ausgefallen, wie schon von Andren berichtet. Schade, ich hatte mich drauf gefreut.

1 uur:
Am Sonntag Vormittag gab es noch das 1-Stunden Rennen. Auf einem noch kleineren Kurs. Der Kurs hat mir besser gefallen als der der 100 km, obwohl ich da unerwartet schlecht abgeschnitten habe.
Bei der Startaufstellung stand ich noch recht weit vorne. Dann gab es 2 Einführungsrunden, die ich nicht voll fahren wollte, das Rennen hatte ja noch nicht begonnen und ich wollte nicht eng überholen. So kam es, dass ich dann beim Start erst im Mittelfeld stand und nicht wusste, welche Konkurrenten vor mir gestartet sind. Das Rennen wurde um 10:05 gestartet. Ymte kam einmal vorbei, Daniel zweimal, sonst kann habe ich niemanden überholen gesehen. Zum Schluss bin ich auf Stefan @visafan aufgefahren, dachte ich würde ihn jetzt überrunden - trotzdem hat er eine Runde mehr. Werner und Charly habe ich im ganzen Rennen nicht gesehen. Jürgen Köhn hat mich einmal überholt, ich bin dann aber wieder vor. Er war auch richtig gut drauf, klasse!
Auswertung 45.7 km, 1:03:52, 43 km/h, 217 W Durchschnittsleistung, 245 W NP.
Weil ich außer Ymte und Daniel niemanden überholen gesehen hatte, habe ich mit dem dritten Platz gerechnet, es wurde dann aber nur der 5. Auch bei der Stunde fühlte ich mich noch recht frisch, es war eigentlich viel zu schnell vorbei.

Nach der Siegerehrung gab es noch Pommes all you can eat, ich bin also auch auf meine Kosten gekommen.
Sonntag Nachmittag haben wir noch eine kleine Ausfahrt Richtung Maastricht gemacht, ein sehr schöner Ausklang für ein ereignisreiches Wochenende.
Am Montag im Kaffee haben wir noch von netten Einheimischen eine Zeitung geschenkt bekommen (extra für uns gekauft), mit einem Artikel über die durch geklauten Laptop boykottierte WM.

Rennbericht von David Linke

Die WM war absolute Klasse. Sehr gute Orga (Vielen Dank!!!), abwechslungsreiche Rennstrecken, die zudem noch sehr nah am Zeltplatz waren, kurzer Weg in die Innenstadt (zum Einkaufen, Essen oder morgentlichen Kaffeetrinken). Nach der Abstinenz von LR-Rennen im letzten Jahr, habe ich mich besonders auf das Wiedersehen mit alten Bekannten gefreut.

Vorbereitung
  • Rad: neue Kette & Kettenumlenkrolle (1Wo vor WM), Reparatur Radscheiben vorn und Einspeichen neues Hinterrad (1 Tag vor WM), neuer Schlauch hinten & auseinanderreißende Heckverkleidung zusammengetapet (1h vor 200m).
  • Fahrer: 4600 km Rennrad, 2800 km RazzFazzen, davon 2400 km seit Ende Juni, die letzten 3 Wo vor WM 2 mal pro Woche anaerobe Intervalle

200-m-Sprint mit fliegendem Start

Vorher hatte ich abgeschätzt, dass ich etwa ab 270m vor der Startlinie voll antreten muss - dann würde die komplette anaerob verfügbare Energiemenge bis etwa zur Mitte der Messstrecke ausgeschöpft, was die optimale Zeit ergeben würde. Bei der Abschätzung am PC hatte ich vergessen, dass man in der Realität ja auch Schalten muss und so ein paar Meter antriebslos rollt. Zusätzlich wollte die Kette zuerst nicht auf's kleinste Ritzel - also noch 1-2 sec mehr antriebslos gewesen. Ergebnis war, dass ich erst am Ende der 200m Messstrecke die höchste Geschwindigkeit hatte. Leider gab es keinen zweiten Versuch, um Theorie und Praxis besser in Einklang zu bringen... - So blieb es bei nur 64.3 km/h. Glücklicherweise war das immer noch ausreichend für Platz 3 TV hinter Geoffroy und Alain, so dass in der Gesamtwertung noch alles möglich war.

100-km-Rennen

Beim Start bin ich leider aus der Pedale gerutscht - zu fest gezogen. Dadurch war Matze gleich einige Meter voraus und hatte freie Linienwahl in der ersten Kurve, während ich einige andere Fahrer vor und neben mir hatte. Zu Beginn der ersten langen Geraden hatte Matze so schon 15 m Vorsprung - Windschatten gab es bei dem Abstand keinen mehr. Ich überlegte kurz, die Lücke zuzufahren, aber entschied mich dagegen. Erstens war Matzes Konkurrent Stijn hinter mir und den wollte ich nicht an Matze heranfahren und zweitens dachte ich mir, dass vielleicht noch wer anders vorn landen möchte und die Lücke schließen wird. Ich bin also so 20-30 m hinter Matze geblieben und wartete auf Überholer - es kam aber keiner. Ich blieb also die ersten 2 Runden am Kopf der Verfolgergruppe. Im Spiegel sah ich, dass in den schwierigeren Passagen (Kurve nach Start, gerade Durchfahrt durch Kreisverkehr) 5-10 m große Lücken hinter mir entstanden und einige abreißen lassen mussten.

In der 3. Runde war nur noch einer dicht hinter mir (Stijn?), der aber die Führung nicht übernehmen wollte, selbst als ich kurz deutlich langsamer wurde oder mit Schlangenlinienfahren andeutete, was ich von Dauerlutschen halte. Also habe mich dann mit einem Zwischensprint abgesetzt. Matzes Vorsprung war durch diese Spielchen auf 80-100m angestiegen - zu viel, um das mal eben aufzuholen. Es hat dann 3 weitere Runden gedauert, bis ich so nah an ihm war, dass er mich im Spiegel erkannte. Ab da sind wir als Team bis zum Ende gefahren. Jede halbe Runde wurden die Führung gewechselt. Wir konnten alle seiner UV-Konkurrenten überrunden und auch alle bis auf einen TVler (Bernhard). In der letzten Runde haben wir ausgemacht, gemeinsam über die Ziellinie zu fahren, um Kraft für den 1000m Sprint am Abend zu sparen.

Der Rennverlauf hat mich überrascht - ich hatte mit mehr Gegenwehr gerechnet. Dass Alain wegen Defekt gar nicht mit gestartet war, wusste ich während des Rennens nicht. Ich dachte, er wäre kurz hinter uns.

Daten: 262 W Durchschnittsleistung über 2:00:53 h, 95.6 km, Vavg 47.5 km/h, Puls 156/min

1-h-Rennen

Vor dem 1h Rennen war noch alles offen. Bei TV lagen Geoffroy und ich punktgleich auf Platz 1. Ich hatte es also selbst in der Hand, wieder Weltmeister zu werden. Auf dieses Rennen hatte ich mich aufgrund der vielen Kurven besonders gefreut. Technisch schwierige Strecken, bei denen volle Konzentration gefordert ist, mag ich besonders. Zur Vorbereitung hatte ich mir Donnerstag Abend die Kurven auf Googles Satellitenbildern angeguckt, um schon eine grobe Vorstellung von Ideallinie und maximal möglicher Kurvengeschwindigkeit zu bekommen - alle Kurven sollten demnach mit mindestens 40 km/h zu fahren sein. Zusätzlich habe ich mir in 2 langsamen Proberunden genau die Position von Metalldeckeln und Löchern im Straßenbelag eingeprägt, um dann in den beiden offiziellen Einführungsrunden die vorher überlegte Ideallinie bei annähernd Renngeschwindigkeit zu testen.

Da sich die Beine morgens gut anfühlten, hatte ich mir ein besonders ehrgeiziges Ziel gesetzt: Ich wollte alle TV-Konkurrenten mindestens einmal überrunden. Bei 1.9 km Rundenlänge hieß das etwa 2 km/h schneller zu fahren als der Zweite.

Der Start lief besser als bei den 100 km, die erste Kurve mit dem ersten Pulk erreicht und danach zunächst an Position 2. Nur Schnellstarter Matze war schon wieder einige Meter voraus. Auf der abfallenden Geraden nach der ersten Kurve schoben sich ein Velomobil und Charles an mir vorbei und bremsten mich in der ersten Kurvenkombination etwas aus. Damit war Matze erst einmal enteilt. Fast alle Konkurrenten wurden in den ersten Kurven noch stärker in Pulks ausgebremst. Nur Alain kam ganz gut durch; er lag nur 10-15 m hinter mir. Bei den ersten Überrundungen (in Runde 2!) hatte ich das Pech, genau in der engsten Kurve auf die langsameren Fahrer aufzufahren, so dass Alain aufschließen konnte. Er blieb dann 1.5 Runden in meinem Windschatten. Ich freute mich auf einen spannenden Zweikampf. Leider musste er kurz darauf wegen Kettenabwurf anhalten.

Jetzt waren gerade einmal 7-8 min um, und das Rennen war praktisch entschieden. Für mich wurde es nun ein Einzelzeitfahren. Matze war immer in Sichtweite; näher ran kam ich aber lange Zeit nicht. Erst nach ca. 50 min verkürzte sich der Abstand zu ihm deutlich. In der drittletzten Runde hatte ich ihn schließlich eingeholt. Wir sind dann noch 1.5 Runden zusammen gefahren, bis ich an einer Gruppe langsamer Fahrer besser vorbeikam und einige Meter Vorsprung herausfuhr. Da ich noch gute Beine hatte und Bernhard als der letzten noch nicht überrundeten TV-Konkurrenten jetzt in Sichtweite war, habe ich das Tempo nochmal angezogen. Ich kam Berhard nur sehr langsam näher. Vor den beiden Kurven vor dem Ziel war er immer noch gut 15 m voraus. Also nochmal alles geben, 5 m pro Kurve aufgeholt und den Rest im Zielsprint. Es hat so gerade gereicht (20 cm).

Daten: 285 W Durchschnittsleistung über 1:04:41 h, Vavg 45.8 km/h, Puls 157/min, minimale/maximale Rundenzeit 02:23 / 02:34 min